Die italienische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Mord an dem Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1975 wieder aufgenommen. Pasolini war am 2. November desselben Jahres tot an einem Strand nahe Rom aufgefunden worden. Der Anwalt Stefano Maccioni, der sich seit Jahren für neue Ermittlungen einsetzt, sagte, er hoffe, dass der Fall dadurch endlich aufgeklärt werde, und rief alle Personen mit Informationen auf, sich zu melden.
Giuseppe „Pino“ Pelosi, damals 17 Jahre alt, wurde festgenommen, als er mit Pasolinis Auto fliehen wollte, und gestand, ihn getötet zu haben. Er sagte, der Regisseur habe versucht, ihn zu vergewaltigen. Pelosi verbrachte fast 10 Jahre im Gefängnis. 2005 widerrief er sein Geständnis und beschuldigte drei nicht identifizierte Männer, die seiner Aussage nach mit sizilianischem Akzent gesprochen hatten.
Maccioni sagte, DNA-Tests hätten am Tatort Spuren anderer Personen gefunden und deuteten darauf hin, dass Pelosi möglicherweise gar nicht dort gewesen sei. Er forderte die Staatsanwaltschaft auf, die Beweise zusammenzuführen.
Zu den Theorien über Pasolinis Ermordung zählen Erpressung, ein Angriff der extremen Rechten und eine Beteiligung der Mafia. Pasolini war dafür bekannt, bürgerliche Werte, die katholische Zensur und die Gefahr des Neofaschismus infrage zu stellen. Sein letzter Film, „Salò oder die 120 Tage von Sodom“, eine Kritik am faschistischen Italien, kam nach seinem Tod in die Kinos und löste wegen seiner expliziten Darstellungen von Gewalt und sexuellem Missbrauch Empörung aus.
Quellen: Folha Ilustrada.