Everything Everything haben ihr neues Album „Poison Pop“ als Versuch beschrieben, sich mit den Belastungen und der Ungewissheit des modernen Lebens auseinanderzusetzen. In einem Interview mit NME sagte Frontmann Jonathan Higgs, die Platte spiegele Sorgen über soziale Medien, Online-Rage-Bait und KI-generierte Kunst wider und ringe zugleich mit der Versuchung, die von ihm so bezeichnete „Enshittification“ der Welt um uns herum hinzunehmen.
Das achte Album der britischen Band folgt auf „Mountainhead“ aus dem Jahr 2024, das Higgs als abstrakter und um eine Metapher herum aufgebaut beschrieb. „Poison Pop“ soll dagegen direkter und kraftvoller sein. Nachdem die Gruppe bei ihrer Tour im vergangenen Jahr zum 10. Jahrestag von „Get To Heaven“ ihr früheres Material wieder aufgegriffen hatte, kehrte sie zu einem schnelleren, punklastigen Ansatz zurück.
Higgs sagte, das Jubiläum habe die Band wieder mit der Aggressivität ihres Albums von 2015 in Berührung gebracht. „In gewisser Weise hat uns das in die Stimmung versetzt, wieder eine schnelle Platte zu machen“, sagte er NME und fügte hinzu, dass sich die neue Musik wie „ein Schlag ins Gesicht“ anfühlen sollte.
Der Titeltrack des Albums bringt laut Higgs das wiederkehrende Thema der Sucht auf den Punkt. „Es geht um dieses Getränk, das dich umbringt, das du aber trotzdem willst.“ Er verglich diese Idee mit „Blood Radio“, einem Song über einen Sender, der bei seinen Zuhörern Wut hervorruft, obwohl sie immer wieder einschalten. Statt eine einzige Aussage zu vermitteln, spiegele das Album die widersprüchlichen Botschaften und das Chaos der Gegenwart wider, sagte er.
Die Band nahm sich außerdem mehr Zeit für die Auswahl der Songs als früher. Higgs sagte, dass sie während des Prozesses etwa 80 oder 90 Stücke verworfen hätten. Nachdem sie die Auswahl auf rund 20 eingegrenzt hatten, baten er und Gitarrist Alex Robertshaw die übrigen Mitglieder, die endgültigen Songs auszuwählen.
Zu KI sagte Higgs, seine Ansichten dazu würden sich weiterhin ändern. Er sehe darin ein potenziell nützliches künstlerisches Werkzeug, glaube aber nicht, dass sie das, was er tut, ebenso gut wie ein menschlicher Künstler reproduzieren könne. Außerdem deutete er an, dass von Menschen geschaffene Werke wertvoller werden könnten, wenn KI-generiertes Material immer weiter verbreitet sei. Die Band überlege zudem zunehmend, wie sich Songs auf der Bühne umsetzen ließen – einem Bereich, in dem menschliche Darbietungen ihrer Ansicht nach einzigartig blieben.
Rückblickend auf „Get To Heaven“ sagte Higgs, die Songs hätten seit ihrer Veröffentlichung an Bedeutung gewonnen. Er beschrieb das Album als Warnung vor dem, was im folgenden Jahrzehnt geschehen könnte, und sagte, er hätte sich gewünscht, dass sich seine Vorhersagen nicht bewahrheitet hätten. Die Band habe derzeit keine konkreten Pläne, den 10. Jahrestag von „A Fever Dream“ aus dem Jahr 2016 zu begehen, doch Higgs schloss nicht aus, in Zukunft etwas zu unternehmen.
„Poison Pop“ erscheint am 12. März. Higgs sagte, er hoffe, dass die Hörer in der neuen Musik ein Gefühl der Verbundenheit finden, insbesondere in einer Zeit, in der es seiner Meinung nach immer schwieriger wird, mit anderen in Kontakt zu kommen.
Quellen: NME.
