Gabriel Martins’ neuer Film „Vicentina Pede Desculpas“ beginnt mit einem Busunglück, bei dem fast alle Insassen ums Leben kommen. Die Mutter des Fahrers, Vicentina, gehört zu den Opfern. Von Schuldgefühlen getrieben, macht sie sich auf den Weg, um sich bei den Angehörigen der Verstorbenen zu entschuldigen. Der Film startet am Donnerstag, dem 5. November, in den Kinos und soll ab dem 20. November auf Netflix zu sehen sein.
Rejane Faria spielt Vicentina, eine Figur, die zum Teil von Martins’ Großmutter inspiriert ist, die er verlor, als er noch jung war. In einer Szene vergleicht sie ihre Traurigkeit mit dem Gesichtsausdruck anderer Menschen und fragt sich, ob auch sie eine ähnliche Last der Trauer mit sich tragen.
Martins sagt, er wolle mit seinen Filmen auf die Menschlichkeit von Menschen aufmerksam machen, deren Erfahrungen uns vielleicht fremd sind. Das Busunglück wird in einer plötzlichen, zugespitzten Sequenz dargestellt, während der anschließende Film auf statische Bildkompositionen, ausgedehnte Gespräche und ruhige Szenen setzt. Auch im Umgang mit Geistern und Abwesenheit spiegelt sich dieser Ansatz wider: Renato Novaes spielt beide Söhne Vicentinas.
Der Film markiert einen Wandel für Martins: Anders als „No Coração do Mundo“ und „Marte Um“, in denen mehrere Figuren im Mittelpunkt stehen, ist es sein erster Spielfilm mit einer einzigen Protagonistin. Die Gespräche zeigen unterschiedliche Sichtweisen auf Trauer, während Vicentina angespannte Begegnungen, eine Geburtstagsfeier und Beichten in einer Kirche erlebt. Martins beschreibt seine Vorliebe für Dialoge, die den Rhythmus alltäglicher Sprache mit einer stärker theatralischen, melodramatischen Struktur verbinden.
Martins ist Mitbegründer von Filmes de Plástico, der Produktionsfirma hinter seinen früheren Arbeiten. Sein bekanntester Spielfilm, „Marte Um“, handelt von einer Schwarzen Familie am Stadtrand von Belo Horizonte, deren Mitglieder trotz unerwarteter Ereignisse ihren persönlichen Zielen nachgehen. „Vicentina Pede Desculpas“ wurde gemeinsam mit Netflix als Produktionspartner entwickelt. Martins zufolge kam die Vereinbarung zustande, nachdem das Drehbuch ausgereift war, und änderte nichts an den zentralen Ideen des Films.
In seinen Arbeiten hat Martins versucht, Schwarze Figuren in den Mittelpunkt von Geschichten zu stellen, die über die Themen hinausgehen, die sie häufig repräsentieren sollen. Er sagt, seine Filme schafften Raum für die vielfältigen Erfahrungen und Ideen von Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund und behandelten zugleich den Alltag als Stoff fürs Kino.
Quellen: Folha Ilustrada.