Jose Padillas Stück „Take off“ untersucht die Ursachen des Unglücks von Los Rodeos 1977, bei dem zwei Boeing 747 auf der Startbahn des Flughafens von Teneriffa zusammenstießen und 583 Menschen ums Leben kamen. Die Inszenierung wird im Nave 10 Matadero in Madrid aufgeführt und fragt, wie Unfälle geschehen – und was sich aus den Systemen und Entscheidungen lernen lässt, die ihnen zugrunde liegen.

Nach dem Zugunglück von Urda rückte die Aktualität des Stücks erneut in den Fokus. Die Schauspielerin Carlota Gaviño sagte, das Ensemble habe unmittelbar danach überlegt, wie es mit der Aufführung umgehen solle, sich aber dagegen entschieden, direkt auf den Schmerz der Opfer einzugehen. Stattdessen hält die Inszenierung bewusst Abstand zur Tragödie – was Gaviño als notwendig bezeichnete, wenn man sich mit einem derart schmerzhaften Thema auseinandersetzt.

„Take off“ verbindet dokumentarische Recherche mit Komödie und Elementen eines Thrillers. Die vier Schauspielerinnen und Schauspieler – Gaviño, Almudena Puyo, Kevin de la Rosa und Lucía Trentini – verkörpern reale Personen, darunter Piloten, Passagiere, Fluglotsen und Journalisten. Die Szenen wechseln zwischen Tatsachenberichten und dramatisierten Momenten und setzen Ironie und Humor ein, ohne den Absturz grafisch darzustellen.

Das Unglück nahm seinen Anfang, als Flüge zum Flughafen Gando auf Gran Canaria nach Teneriffa umgeleitet wurden, nachdem in einem Blumenladen im Terminal eine Bombe explodiert war. Weil der Flughafen überlastet war, trugen technische Probleme, menschliche Entscheidungen und widrige Wetterbedingungen zum Zusammenstoß zwischen einer KLM-Maschine, die sich auf den Start vorbereitete, und einer Pan-Am-Maschine bei, die auf der Startbahn rollte.

Padillas Recherche stützte sich auf das 1990 entwickelte Modell des Psychologen James Reason zu Unfällen in komplexen Systemen. Dem Modell zufolge entstehen Katastrophen, wenn mehrere Sicherheitsschranken gleichzeitig versagen, und nicht durch einen einzelnen Fehler oder die Verantwortung einer einzelnen Person. Das Stück greift diesen Gedanken in seiner Gliederung in Kapitel auf, wobei jeder Abschnitt eine Ebene der Ereigniskette darstellt.

Die Inszenierung betrachtet außerdem die Veränderungen, die nach Los Rodeos in der Zivilluftfahrt eingeführt wurden. Dazu gehörten die Ermutigung von Copiloten, den Kapitänen zu widersprechen, der umfassendere Einsatz von Bodenradar, Verbesserungen der Orientierung bei schlechter Sicht, standardisierte Kommunikation auf Englisch sowie die Streichung des Wortes „takeoff“ aus dem Funkverkehr, um das Risiko von Missverständnissen zu verringern.

Padilla und Gaviño sind der Ansicht, dass es wichtiger ist, die Systeme hinter Unfällen zu untersuchen, als sich nach dem Ereignis ausschließlich auf die Schuldfrage zu konzentrieren. Das Stück verknüpft diese Frage mit dem Druck, schneller und wirtschaftlicher zu arbeiten, und fragt, wie die Gesellschaft besser für die komplexen Systeme sorgen kann, von denen der Alltag abhängt.

Quellen: El País Cultura.