Radie Peat, bekannt für ihre Arbeit mit der Band Lankum, hat ihr außergewöhnliches Solo-Debütalbum No Human Tongue Can Tell veröffentlicht. Das Album beginnt ohne Verzierung und präsentiert nur ihre schroffe, tiefe Stimme, begleitet von subtiler Instrumentierung, die Fender Rhodes-Klavier, Mellotron und Wurlitzer umfasst. Ihr Ansatz auf Titeln wie Hares on the Mountain, der eine Melodie nutzt, die von Shirley Collins für das 1964 erschienene Folk Roots, New Routes arrangiert wurde, wird als durchgehend erschütternd und tief bewegend beschrieben.

Das Album sammelt Lieder, die sich auf Themen des weiblichen Kampfes, des Leidens, der Stärke und der Ausdauer konzentrieren. Peat vermerkt in ihren Liner Notes, dass diese thematische Kohärenz entstand, nachdem sie ihre Liedauswahl basierend auf ihrem eigenen Geist, ihren Fähigkeiten und persönlichen Vorlieben eingeschränkt hatte, anstatt epische Aussagen anzustreben. Stattdessen priorisiert das Album eine tief im Bauch gefühlte Verbindung zu Liedern, die sie seit Jahren live vorgetragen hat, und liefert viele davon in neuen Versionen, die von Dringlichkeit pulsieren.

Peat verwandelt vertrautes Material in beunruhigende Elegien; so wird Willow Garden, das zuvor 2017 von Lankum mit einem Refrain in Dur aufgeführt wurde, zu einem track mit starker Hallwirkung, bei dem ihre Interpretation des Textes "poor little girl" vor Traurigkeit zusammenbricht. Sie malt in Same Old Man gegen rollende Gitarren-Arpeggien lebendige Szenen und ruft in Still I Love Him ein tiefes Verlangen hervor, einem Lied, das von der irischen Sängerin John Francis Flynn entdeckt wurde und eine Frau beschreibt, die emotional an einen missbräuchlichen Ehemann gebunden ist. Ihre Interpretation von Dark Horse on the Wind, Liam Weldons 1966 entstandenes Klagelied über den verlorenen Traum der Irischen Republik, wird gegen einen soliden Drohnensound gesetzt, wobei die Texte Krieger darstellen, die sich selbst verstümmeln.

Produziert von John "Spud" Murphy, hebt das Album erdige und körnige Details hervor, wie zum Beispiel das Geräusch der Luft, die durch Peats Kontrabass-Bälge auf Cailín Deas gesaugt wird, und den störenden Schlag von Eleanor Mylers Trommeln. Das Ergebnis ist eine Sammlung traditioneller Lieder, die frisch, brutal und unvergesslich wirken. Neben dieser Veröffentlichung sind in diesem Monat weitere bemerkenswerte Folk-Alben erschienen, darunter Bróna McVitties Supernatural, Bird in the Bellys Only Dogs As Friends und Guy Butterys Improvisations from a Rural Church: Volume 1.

Quellen: The Guardian Music.