Die Enzyklopädie des Kinos von Treccani beschreibt Tinto Brass als Regisseur, dessen oft provokante, visuell eindrucksvolle Filme dazu beitrugen, gesellschaftliche und filmische Tabus zu brechen und die Erotik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Eintrag hebt auch die Schauspielerinnen hervor, deren Profil mit seinem Werk verbunden war, darunter Francesca Dellera, Claudia Koll, Debora Caprioglio, Serena Grandi und Anna Ammirati sowie Stefania Sandrelli, deren Karriere Brass laut der Enzyklopädie wiederbelebte.

Der von dem Filmkritiker und Essayisten Lorenzo Codelli verfasste Eintrag zeichnet Brass’ Laufbahn bis zu seinem ersten Spielfilm In capo al mondo nach, der später in Chi lavora è perduto (1963) umbenannt wurde. Der Film stieß bei den Filmfestspielen von Venedig auf begeisterte Resonanz, sah sich jedoch auch mit Zensur konfrontiert. Treccani charakterisiert ihn als ikonoklastisch und respektlos; er spiegele eine Wertekrise bei einer Generation wider, die von Antifaschismus und Widerstand geprägt war.

Brass’ historische Erotikfilme Salon Kitty (1976) und Caligola, 1979 gedreht und 1984 in einer von der ursprünglichen Konzeption abweichenden Fassung veröffentlicht, gingen einer neuen Phase seiner Laufbahn voraus. Treccani nennt La chiave (1983), eine freie Adaption eines Romans von Jun’ichirō Tanizaki, als Schlüsselwerk dieses Wandels hin zu einer stärker literarischen, verstörenden Form der Erotik, die beim Publikum großen Erfolg fand.

Ab La chiave konzentrierte sich Brass laut der Enzyklopädie auf die sexuelle Befreiung zunehmend ungehemmter Frauenfiguren. Dazu gehörten eine unbefriedigte Bürgerliche in La chiave, eine männerverzehrende Gastwirtin in Miranda (1985), eine temperamentvolle Geliebte in Capriccio (1987), eine lebenslustige Sexarbeiterin in Paprika (1990) und eine verstörte Jungfrau in Monella (1998).

Quellen: ANSA Cultura.