Eine Ausstellung im Museu Nacional de Belas Artes im Zentrum von Rio de Janeiro rückt acht Frauen in den Blick, die zum Kampf gegen die Sklaverei in Brasilien beitrugen. „Brasilianische Abolitionistinnen“ vereint Kunstwerke, die ihnen gewidmet sind, mit Arbeiten, die das Erbe der Abschaffung der Sklaverei reflektieren – darunter Fragen der Abstammung, der Grundrechte und der Spiritualität.

Zu den porträtierten Frauen gehören Adelina, eine Zigarrenverkäuferin in den 1870er- und 1880er-Jahren, die der abolitionistischen Bewegung in Maranhão Informationen zukommen ließ; Esperança Garcia, eine versklavte Frau, die 1770 eine juristische Petition verfasste, in der sie die Misshandlungen schilderte, denen sie und ihre Kinder ausgesetzt waren; und Aqualtune, die an der Spitze des Quilombo dos Palmares mitwirkte. Die Ausstellung umfasst außerdem Anastácia, Luiza Mahin, Maria Felipa, die Schriftstellerin Maria Firmina dos Reis sowie Maria Tomásia Figueira Lima, eine Mitgründerin einer von Frauen geführten Anti-Sklaverei-Gesellschaft in Ceará.

Bei den meisten Frauen ist unbekannt, wie sie aussahen. Kuratorin Ana Carla Soler sagt, der Mangel an Bildquellen habe dazu beigetragen, dass ihre Geschichten als Mythen oder Legenden behandelt wurden. Ihre Überlieferung sei durch mündliche Tradition und den Widerstand Schwarzer Gemeinschaften bewahrt worden. Maria Tomásia Figueira Lima ist die einzige weiße Frau in der Gruppe und die einzige, deren Aussehen bekannt ist.

Das Projekt begann, nachdem ein Sammler das Instituto Artistas Latinas gebeten hatte, Werke Schwarzer Künstlerinnen in Auftrag zu geben. Er verwies dabei auf die geringe Präsenz Schwarzer Künstlerinnen in seiner Sammlung. Das Institut lud acht brasilianische Künstlerinnen ein, deren Arbeit sich mit Schwarzer Geschichte auseinandersetzt. Sie sollten jeweils eine Frau aus einer vom Institut zusammengestellten Liste auswählen und deren Biografie mit einem beliebigen Medium oder einer beliebigen Technik interpretieren.

Die entstandenen Werke wurden 2024 erstmals im Museu de Arte do Rio präsentiert. Als die Ausstellung nach Recife, Brasília und São Paulo weiterzog, ergänzte jede gastgebende Institution sie um Werke lokaler Künstlerinnen und Künstler sowie um Stücke aus ihrer eigenen Sammlung. Die aktuelle Ausgabe in Rio umfasst 47 Künstlerinnen und Künstler.

Die Künstlerinnen und Künstler nähern sich ihren Motiven auf unterschiedliche Weise. In ihrem Werk über Luiza Mahin malt Roberta Holiday einen roten Atlantischen Ozean, umgeben von Kaurischnecken, und verknüpft ihre Geschichte so mit der Bewegung zwischen Afrika und Brasilien. Mariana Maia stellt Maria Felipa, die sich nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 gegen Portugals Bemühungen wehrte, die Kontrolle über Bahia zu behalten, in Gestalten dar, die mit den Orixás Iansã und Iemanjá verbunden sind.

Für ihr Porträt von Anastácia schuf Thaís Iroko ein Diptychon. Eine Leinwand zeigt ein eher traditionelles Porträt, in dem eine spitze Zunge als Symbol des Widerstands dient; auf der anderen wiederholt die Künstlerin mit verbundenen Augen die Bewegungen des Malens. Iroko sagt, sie habe darüber nachgedacht, was sie in sich selbst zum Schweigen bringen könnte, um sich der Geschichte einer Frau anzunähern, deren Stimme unterdrückt wurde.

Soler sagt, die zusätzlichen Werke zeigten, dass die Abschaffung der Sklaverei noch nicht vollendet sei. Die Ausstellung greift die Auffassung auf, dass die Sklaverei erst dann wirklich als beendet gelten kann, wenn die Gesellschaft rassische Gleichberechtigung erreicht.

Quellen: Folha Ilustrada.