Ein Sprecher des britischen Aktivistenkollektivs Everyone Hates Elon stellte die Methoden der Gruppe auf einer Konferenz zu digitalen Rechten in Barcelona vor und erläuterte, wie ein kleines Team mit Humor und Guerilla-Marketing den Einfluss von Milliardären wie Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg infrage gestellt hat.

Das Kollektiv hat die Verantwortung für eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Aktionen übernommen, darunter gefälschte Tesla-Anzeigen, ein Banner mit Kritik an der Hochzeit von Jeff Bezos in Venedig, eine große Installation mit einem Foto von Jeffrey Epstein und Donald Trump in der Nähe von Windsor sowie eine Kampagne, die sich über Metas intelligente Brillen lustig machte. Außerdem sammelte es mehr als 200.000 € für LGBTQI+-Organisationen wie Rainbow Migration und unterstützte Amazon-Beschäftigte, die sich gewerkschaftlich engagierten.

Dem Sprecher zufolge, der den Namen Jason verwendete, entstand die Gruppe im Januar 2025, nachdem Musk bei der Amtseinführung von Donald Trump eine Geste gemacht hatte, die weithin als Hitlergruß kritisiert wurde. Die Gründer, die für Nichtregierungsorganisationen arbeiten, begannen damit, Spenden im Zusammenhang mit Musks Aktivitäten auf X zu fördern und Aufkleber mit Kritik an Tesla zu verteilen. Zu ihren späteren Aktionen gehörten lebensgroße Figuren von Musk in Tesla-Niederlassungen sowie die Umwandlung eines beschädigten Tesla in ein Kunstwerk, das zur Finanzierung von Lebensmittelbanken verkauft wurde.

Das Kollektiv leitet aus seinen Kampagnen drei zentrale Lehren ab. Die erste besteht darin, eine alternative Veranstaltung unterhaltsamer zu gestalten als die Veranstaltung oder das Thema, gegen die oder das sich die Aktion richtet. Die Mitglieder argumentieren, dass Humor Botschaften über soziale Medien und persönliche Netzwerke wirksamer verbreitet als herkömmliche Berichte über Ungleichheit.

Die zweite Lehre lautet, wie eine Boulevardzeitung zu denken. In seiner Kampagne gegen Bezos arbeitete Everyone Hates Elon mit Greenpeace zusammen, um die Berichterstattung über die Hochzeit des Amazon-Gründers und die Met Gala zu beeinflussen, bei der Bezos und seine Ehefrau als bedeutende Förderer teilnahmen. Die Gruppe brachte in New York Plakate an, inszenierte Installationen im Metropolitan Museum of Art und projizierte ein Video mit Amazon-Beschäftigten auf Bezos’ Wohnhaus in Manhattan.

Die Aktivisten erklärten, ihre Kampagne habe dazu beigetragen, die Met Gala bereits vor der Veranstaltung als Protest gegen die Familie Bezos darzustellen. Sie verwiesen außerdem auf die Reichweite ihrer Aktionen in den Medien und behaupteten, dass die Berichterstattung in vier von fünf Medien erschienen sei und Milliarden Menschen erreicht habe, darunter 35 Millionen über die eigenen Social-Media-Kanäle der Gruppe.

Die dritte Lehre besteht darin, einen klaren Bösewicht zu benennen. Everyone Hates Elon argumentiert, dass Kampagnen zu Ungleichheit, Klimawandel oder Migration Menschen eher mobilisieren, wenn sie benennen, wen die Gruppe für das Problem verantwortlich hält. Das Kollektiv erklärt, Milliardäre machten häufig Einwanderer oder Transmenschen für gesellschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich, die seiner Ansicht nach stattdessen den Mächtigen zuzuschreiben seien.

Jason beschrieb die Arbeit der Gruppe als asymmetrische Kampagne: Die Zielpersonen kontrollieren große Plattformen und verfügen über enorme finanzielle Mittel, während die Aktivisten mit vergleichsweise kleinen Budgets arbeiten. Keines der Ziele hat das Kollektiv verklagt, obwohl seine Mitglieder nach eigenen Angaben weiterhin mögliche rechtliche Schritte befürchten. Sie glauben, dass ein Rechtsstreit noch mehr Aufmerksamkeit auf ihre Anliegen lenken könnte.

Everyone Hates Elon erklärt, dass es weitere Aktionen vorbereitet. Der Maßstab für eine neue Kampagne ist, ob der anvisierte Milliardär sie wahrscheinlich nicht mögen wird; wenn dies der Fall ist, betrachtet die Gruppe das als Zeichen dafür, dass die Aktion ihren Zweck möglicherweise erfüllt hat.

Quellen: El País Cultura.