Die Debatte innerhalb der Verlagsbranche bezüglich künstlicher Intelligenz hat sich von peripheren Anwendungen wie Cover-Design und Übersetzungen auf den Kerngehalt literarischer Werke verlagert. Während Verträge zuvor darauf abzielten, eine menschliche Aufsicht bei automatisierten Aufgaben sicherzustellen, haben jüngste Kontroversen um prestigeträchtige Preise eine Neubewertung dessen erzwungen, was als ursprüngliche Urheberschaft gilt. Der Wendepunkt trat mit der Disqualifikation des Romans 'C'était ça ou mourir' von Thélyson Orélien aus der Liste für den Goncourt-Preis aufgrund von KI-Nutzung ein, gefolgt von Vorwürfen, dass der Gewinner des Internationalen Erzählpreises Almadia-Ventosa Arrufat, David Silva Rojas, zu 99 % von KI generiert worden sei. Obwohl der Autor diese Behauptungen bestreitet, hat der Vorfall eine Untersuchung durch seinen mexikanischen Verleger ausgelöst und dazu geführt, dass das französische Haus Gallimard angekündigt hat, alle seine Werke mit Erkennungssoftware zu screenen.

Als Reaktion auf diese beschleunigte technologische Landschaft aktualisieren Literaturagenturen ihre Protokolle, um Transparenz sicherzustellen. Indent, eine in New York ansässige Agentur, die Autoren auf Spanisch, Portugiesisch und Englisch vertritt, hat Kunden geraten, Entwürfe zu bewahren und Internetzitate manuell zu transkribieren. Paula Canal von der Agentur merkte an, dass sie Vertragsklauseln erwägen, die Autoren verpflichten, jede spezifische Nutzung von KI-Tools offenzulegen, ein Schritt, den viele US-Agenturen übernehmen. Ebenso betont Casanovas & Lynch das Vertrauen, erwartet aber von Autoren, dass sie ihre Nutzung von Technologie melden. María Lynch hob hervor, dass zwar einige Nobelpreisträger wie Olga Tokarczuk über Gespräche mit KI während des Schreibprozesses sprechen, die Unterscheidung zwischen der Nutzung von KI als Unterstützung und der Generierung ganzer Texte jedoch rechtlich undefiniert und unreguliert bleibt.

Verlage integrieren nun explizite Klauseln in Verträge und Preisrichtlinien, um diese Bedenken zu adressieren. Pilar Reyes von Penguin Random House erklärte, dass Autoren ausdrücklich bestätigen müssen, dass ihr Werk eine ursprüngliche menschliche Schöpfung ist und nicht von KI generiert wurde. Während Erkennungssoftware wie Pangram zunehmend zum Screening von Manuskripten eingesetzt wird, betonen Lektoren, dass diese Tools nur als Unterstützung für eine umfassendere redaktionelle Bewertung dienen, um sicherzustellen, dass die menschliche Stimme im Mittelpunkt bleibt. Es bestehen jedoch weiterhin Herausforderungen hinsichtlich der Kosten und des Aufwands für das Screening aller Einreichungen sowie der Zuverlässigkeit von Erkennungsfiltern, die mit dem technologischen Fortschritt veralten könnten. Ofelia Grande von Siruela schlägt vor, dass die Branche möglicherweise irgendwann einen akzeptablen Prozentsatz der KI-Beteiligung bestimmen muss, anstatt nach einer binären Lösung zu suchen.

Das Problem hat auch Inkonsistenzen in den Regeln für Literaturpreise hervorgehoben. Während viele Preise keine spezifischen Regeln zur KI haben, gibt es Ausnahmen wie den Preis Almadia-Ventosa Arrufat und diejenigen, die von Grupo Planeta organisiert werden, die Werke, die teilweise oder vollständig von KI generiert wurden, ausdrücklich disqualifizieren. Da sich der Sektor mit einer Flut von pseudonymen Manuskripten herumschlagen muss, wird die Diskussion auf den kommenden Treffen des Formentor-Preises in Mallorca fortgesetzt, wo internationale Lektoren zusammenkommen werden, um diese sich entwickelnden Standards gemeinsam zu diskutieren.

Quellen: El País Cultura.